Vier Aspekte der Praxis

Kurze Einführung


Yoga-Meditation ist kein spezifischer Aspekt des Yoga, denn im traditionellen Verständnis ist alles Üben im Yoga Meditation. Nur ein kleiner Teil des Übens bezieht sich auf den Körper.

Yoga-Meditation ist ein systematischer Prozess. Das Üben beginnt bei den mehr äußerlichen Aspekten seines Wesens, und davon ausgehend bewegt man sich schrittweise nach innen und übt sich in den subtileren Aspekten der Praxis, um schließlich in wirkliche Meditation zu finden.

Man kann das Vorhaben der Meditation als eine Art langfristig angelegtes Forschungsprojekt verstehen, mit dem Ziel, sich selbst in allen Aspekten immer besser kennenzulernen, seine verborgenen Kapazitäten und letztlich sein wahres Wesen zu entdecken.

Die Übungspraxis kann entsprechend der individuellen Kapazität und Veranlagung unterschiedlich sein. Man praktiziert die individuell angemessenen und die geistige Praxis förderlichen Dehnungen oder Haltungen, Methoden der Körperwahrnehmung bzw. der Entspannung, Atemübungen und Meditationsansätze.

Das alle Bereiche verbindende Element ist Achtsamkeit, das achtsame Beobachten und Erleben bezogen auf verschiedene Bereiche und in verschiedenen Stadien.

Abhängig vom eigenen Training und von der Veranlagung kann die Zeitspanne jedes Abschnitts des Übens angepasst werden.

Unabhängig von den spezifischen Übungen, die man praktiziert, ermöglicht das Üben in der angegebenen systematischen Abfolge mit Gewissheit eine tiefere und erfüllendere Meditation.

Allgemeine Vorbereitung

Eine im Tagesablauf fest eingeplante Zeitspanne für die Praxis und ein für das Üben geeigneter, möglichst ruhiger und harmonischer Ort sind für die Entwicklung seiner Meditationspraxis sehr förderlich.

Es ist sehr sinnvoll, sich vor der eigentlichen Praxis etwas Zeit zu nehmen, um seine Ziele und Prioritäten im Leben bzw. seine Beziehungen oder seinen Tagesablauf zu reflektieren, oder um seine spirituelle Ausrichtung zu überprüfen und zu bestärken. Es handelt sich dabei um eine Art inneren Dialog, eine positive Art der Diskussion mit sich selbst.

1) Die körperliche Praxis: Dehnungen und Körperhaltungen

Man beginnt am besten mit einfachen Dehnungen, achtsam durchgeführten Bewegungsabfolgen (karanas) bzw. Körperhaltungen (asanas), um den Körper zu lockern und auf das Sitzen vorzubereiten.

2) Bewusste Körperwahrnehmung in der Entspannung

Den nächsten Schritt der Praxis bildet ein achtsam durchgeführter Entspannungsablauf. Übungen wie das bewusste Anspannen und Entspannen bestimmter Körperbereiche, unterschiedlichen Varianten vollständiger Entspannung oder, für Fortgeschrittene, die 61-Punkte-Entspannung sind Möglichkeiten, den Zustand seines Körpers und sein momentanes Befinden achtsam wahrzunehmen und vertiefend zu erforschen. Diese Übungen führt man in der Einstellung eines inneren Forschers durch, daran interessiert, sich wirklich immer besser auf allen Ebenen kennenzulernen. Es handelt sich hier bereits um Meditation, bezogen auf den physischen Körper, seine Aspekte und seine Zustände.

Vertiefende und subtilere Methoden der Entspannung werden im Lauf der Zeit in das Üben integriert.

3) Atempraxis

Als nächstes geht man über zum Atemgewahrsein, man kultiviert die freie Zwerchfellatmung, übt wechselseitige Atmung (nadi-shodhana) bzw. andere die Meditation unterstützende Atemübungen oder pranayamas. Man arbeitet daran, im Lauf der Zeit eine ruhige, tiefe, gleichmäßige und ununterbrochene Atemweise zu entwickeln. Später kann man auch stärker energetisierende Übungen wie kapalabhati oder bhastrika einbeziehen.

Für die Entwicklung dieser Praktiken ist ein darin gut geschulter und erfahrener Lehrer unerlässlich.

Manche der Übungen können sowohl im Liegen wie im Sitzen durchgeführt werden, doch ein Großteil dieser Übungen erfordert bereits eine stabile, aufrechte und entspannte Sitzhaltung.

4) Eigentliche Meditation

Als erstes lernt man, auf die Empfindung des Fließens des Atems zu meditieren. Um für sich zu bestimmen, welche Variante dieser Praxis des Atemerlebens individuell geeignet ist, sollte man sich mit einem erfahrenen Lehrer beraten.

Im Erleben der Empfindung des Fließens des Atems übt man sich darin, aufsteigende Gedanken kommen und gehen zu lassen.

Ein heiliges Wort, das universelle mantra so'ham oder ein individuelles mantra kann mit der Atemempfindung verbunden werden. Das Atemgewahrsein bewirkt ein Harmonisieren emotionaler Ungleichgewichte, das mantra gibt dem Geist einen spezifischen Inhalt, auf den das Denken gesammelt wird. Und allmählich erlaubt man dem Geist, mehr in die Stille zu finden.

Es gibt viele verschiedene Schritte und Möglichkeiten, die Meditationspraxis im Lauf der Zeit zu vertiefen und weiter zu entwickeln. Auch hier ist ein wirklich kompetenter Meditationslehrer als Wegbegleiter eine Notwendigkeit.

Aufmerksamkeit

Alle Aspekte des Übens bilden Bestandteile der Achtsamkeitspraxis. Achtsames Erleben seiner selbst auf der Ebene des Körpers, des Atems und des Geistes, das aufmerksame Erforschen seiner Einstellungen und seiner Beziehung zur äußeren Welt, das aufmerksame Beobachten und Erleben im Alltagsleben sowie das bewusste Erforschen seiner tieferen inneren Wirklichkeit - sie alle bilden Aspekte der Schulung der Aufmerksamkeit.

Aufmerksamkeit entwickelt sich in Stadien, sie führt allmählich immer tiefer nach innen.
Mehr dazu im Beitrag Stadien der Meditation.

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