Der Geist und seine Funktionen

Teil 7 der Serie 'Die menschliche Persönlichkeit verstehen' -
von Swami Veda Bharati

 

Ein anderes System der Persönlichkeit ist der Geist (engl. 'mind').

In der westlichen Philosophie wird Geist als über der Materie stehend angesehen - man sagt 'Geist über Materie'. In der Yoga-Philosophie spricht man vom Geist als Materie, als ein stoffliches Prinzip. Geist ist die feinste, subtilste Essenz oder Form der materiellen Energie. Es ist nicht atomare Energie, sondern mentale Energie. Es ist die am feinsten vibrierende Form der materiellen Energie.

Geist auf seiner materiellen/stofflichen Seite ist die Essenz von Nahrung und prana. So wie das spirituelle Wesen Materie vitalisiert und prana erzeugt, verleiht es dieser feinsten Form materieller Energie Bewusstheit. Das ist die Gesamtheit des Geistes. Dort wo das spirituelle Wesen Vitalität verleiht, entsteht prana - dort wo es Bewusstheit verleiht, entsteht Geist (mind).

Wenn sich die Meditation vertieft, beginnen die subtileren Essenzen die gröberen zu kontrollieren. Für eine meditative Person gilt: das spirituelle Wesen kontrolliert den Geist - Geist kontrolliert prana - prana kontrolliert den Körper.

Ist der Geist ausgeglichen, fliesst prana ausgewogen und kraftvoll. Ist prana ausgewogen und kraftvoll, ist der Körper gesund - nicht krank oder schwach.

Für jene, die nicht sich selbst durch meditative Prozesse betrachten und erforschen, kontrollieren die gröberen Essenzen die feineren. Entsprechend wirken sich körperliche Zustände auf prana aus. So wirken sich Schwächen des Körpers auf prana aus - und dies seinerseits auf den Geist. Man fühlt sich dann z.B. niedergeschlagen. Ist der Körper krank, ist der Geist beeinträchtigt.

Das Selbst ist durch sich selbst 'selbst'-bewusst. Sprechen wir von Bewusstheit in den Systemen der Persönlichkeit, sprechen wir nicht von dieser reinen Bewusstheit des spirituellen Selbst. Wir sprechen in der Persönlichkeit von einer Identifikation. Wenn z.B. der Körper verletzt ist, bin 'ich verletzt'. Diese Art von Bewusstheit innerhalb der Persönlichkeit. Oder im Geist - die Art Bewusstheit, die der Geist von Dingen hat. Letztlich werden in der Meditation diese beiden getrennt, so dass wir nicht mehr von der äußerlichen Bewusstheit abhängig sind. Wir sprechen hier von jener Bewusstheit, die das Selbst der Persönlichkeit verleiht. Am Anfang des Meditationsweges ist es diese Bewusstheit, mit der wir arbeiten.

Die vier Aspekte oder Funktionen des Geistes

Jetzt zu den vier Aspekten des Geistes - das System des Geistes innerhalb der Persönlichkeit:

  • manas - aktiver Geist - das sind alle Emotionen, Gedanken etc.
  • buddhi hat zwei Gesichter:
    auswärtsgerichtet, intellektuell - und nach innen gerichtet, intuitiv, die Funktion der Unterscheidung.
  • citta, die Gesamtheit des Geistes - bewusst, unterbewusst, unbewusst. Das individuelle citta und das kosmische citta und alles, das im Geist geschieht, intellektuell oder emotionell etc., wird aus dieser Gesamtheit des citta bezogen. Doch dieser gewaltige Pool des citta liegt unberührt, wie die Tiefe des Ozeans, derer wir uns nicht bewusst sind.
  • ahamkara - Ego. Die buchstäbliche Bedeutung ist 'Ich-Macher'. Ego entsteht durch dieses ahamkara. Das reine Selbst erfährt sich selbst als unreines Selbst. Durch ahamkara wird das reine Selbst zur Persönlichkeit, die in Wirklichkeit nicht das Selbst ist.
    Durch dieses ahamkara sagt das reine, transzendente Wesen, 'Ich bin (… Name), ich leide, ich bin unwissend …'. Dies entsteht durch diese begrenzende, falsche Identifikation. Genau das ist Ego: 'Ich bin ein Europäer' - 'Blaue Kleidung steht mir gut' - 'Jemand hat mich verletzt' - all diese verschiedenen Ebenen falscher Identifikationen, in die sich das reine Selbst verliert. Tatsächlich ist das reine Selbst Zeuge aller Dinge.
    Im Yoga bemühen wir uns fortlaufend, dieses Ego zu reduzieren, die falschen Identifikationen. Egal wie gut oder schlecht du dich entwickelst - vergiss es. Egal wieviel man erreicht und wie hoch man steigt, man muss wieder ganz herunterfallen, aufgrund dieser falschen Identifikation. 
    Vergiss alles, was du glaubst erreicht zu haben.
    Ein Yogi ist in allen Dingen 'weiter' als sonst jemand - doch er identifiziert sich nicht. Es ist
    ahamkara, woraus die Persönlichkeit entsteht und wodurch das Selbst meint, 'Ich bin diese ständig sich verändernde Persönlichkeit'.

Zusammen bilden sie das 'innere Instrument' - antahkarana.

Fortsetzung:  karma ...

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