Das System der fünf pranas

Teil 6 der Serie 'Die menschliche Persönlichkeit verstehen' -
von Swami Veda Bharati


Ein anderes System ist das System der fünf pranas.

Prana wird definiert als die erste Einheit der Energie. Wo immer das bewusste Wesen die unbewusste Materie vitalisiert (bewegt), die unbewusste materielle Energie, entsteht prana. Prana ist überall - und ein Yogi lernt, dieses prana zu nutzen und sein eigenes prana zu bewahren und zu intensivieren. Auf diese Weise reduziert er das Bedürfnis nach Nahrung, Wärme, Medizin etc.

Jede Erkrankung ist eine Verformung des prana - und diese entsteht durch einen verformten Geist. Es gibt keine andere Ursache für Krankheit.

Prana ist fünffach aufgrund der verschiedenen Funktionen, die es erfüllt. Hier diese fünf mit ihrem Wirkungsbereich:

  • prana (spezifisch) - oberhalb des Herzens
  • apana - unterhalb des Nabels
  • samana - zwischen Nabel und Herz
  • vyana - durchzieht den ganzen Körper - jede Zelle, jeden Nerv, jede Kapillare
  • udana - oberhalb der Kehle.

Wenn man versteht, welche Funktionen des Körpers und Geistes mit diesen Bereichen in Verbindung stehen, versteht man die Funktion der betreffenden pranas. Welchen psychologischen Teil findet man unterhalb des Nabels? Man kann über all die Organe, all die Funktionen, alle Anziehung, Aversion etc. nachdenken, alles. All diese psychologischen und physiologischen Funktionen unterhalb des Nabels werden durch apana kontrolliert.

Was zwischen Nabel und Herzzentrum geschieht, physiologisch und psychologisch, wird durch samana kontrolliert.

Was geschieht in all den Zellen, Nerven etc., Zellen die aktiv oder inaktiv sind, absterben oder neu gebildet werden? So bilden sich z.B. Krebszellen aufgrund eines Mangels an vyana.

Welche psychologischen und physiologischen Funktionen befinden sich oberhalb der Kehle? Udana ist für Yogis etwas sehr Spezielles. Durch die Kontrolle von udana kontrolliert er seinen eigenen Sterbeprozess. Es besteht nicht nur ein großer Unterschied im Leben eines gewöhnlichen Menschen und eines Yogi, ethisch, emotionell, physisch etc., es besteht ein großer Unterschied betreffend den Tod. Der Tod eines Yogi ist immer vorsätzlich, freiwillig, beabsichtigt. Das ist eines der Kennzeichen eines Yogi. Er weiß, wann sein karma vorüber ist, und wird gehen. Dies geschieht durch die Kontrolle von udana. Er zieht all seine Vitalität in udana und konzentriert es dann am oberen Ende des Kopfes - und geht.

Beide - prana und der nächste Punkt den wir diskutieren, der Geist - setzen sich aus zweierlei Quellen zusammen: aus etwas Materiellem und etwas Spirituellem. Materie hat die Kapazität, vitalisiert zu werden. Das spirituelle Wesen hat die Kapazität, zu vitalisieren. Dort wo sich beides verbindet, entsteht prana.

Die materielle, stoffliche Seite des prana ist die Essenz der Nahrung, die solare Energie und Atem. Diese drei zusammen erzeugen die stoffliche Seite des prana, sofern sie vom vitalisierenden Selbst berührt sind. Das Potential wird dann effektiv.

Fortsetzung:  Der Geist und seine Funktionen ...

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