Subtilkörper und prana

Teil 15 der Serie 'Die menschliche Persönlichkeit verstehen' -
von Swami Veda Bharati


Was genau ist der Subtilkörper?

Man sollte ihn sich nicht als einen Körper vorstellen.
Es gibt ein wichtiges Prinzip: was immer im Universum außerhalb von dir ist, ist auch in dir. Und es gibt diesen Passus: 'Was hier ist, ist auch anderswo. Was nicht hier ist, ist nirgendwo.'

Alle Dinge, die du im Leben erfährst, sind zuerst im Subtilkörper gegenwärtig. Wäre da nicht etwas in dir, das mit den Dingen außerhalb von dir korrespondiert, könntest du nicht einmal diese Dinge erkennen. Das Licht davon würde deine Augen erreichen, doch du hättest keine Möglichkeit, zu erkennen was es ist. Es gibt etwas in dir, das auf die äußeren Reizimpulse anspricht. Und das ist das Prinzip des Subtilkörpers.

Die subtilen Elemente

Der Subtilkörper besteht aus den feineren Aspekten von Erde, Wasser, Feuer, Luft und Raum - die fünf physischen Zustände der Materie. Erde bezieht sich auf die Qualität der Festigkeit und Stabilität. Wasser bezieht sich auf alles Fließende und Fluide. Feuer bezieht sich auf alles Licht, Wärme, physische Energie. Luft bezieht sich auf alle Gasförmige. Raum bezieht sich auf das, worin Zeit, die Kontinuität aller Dinge entsteht. Raum ist der Ort für zeitliche Abfolge.

Die feineren Aspekte von Erde, Wasser, Feuer, Luft und Raum befinden sich im Subtilkörper, damit wir auf die im Außen vorhandenen Elemente Erde, Wasser, Feuer, Luft und Raum reagieren können. Die subtilen Elemente existieren besonders in Form unseres Potentials, unserer Fähigkeit, diese Dinge zu erfahren. Gemäß der indischen Philosophie beziehen die fünf Sinne der Wahrnehmung ihre Kraft und ihre Erfahrung von diesen fünf Elementen, daher werden diese Sinne von diesen fünf Elementen angezogen. So ist Geruch verbunden mit dem Erdelement.

Man mag das auf wissenschaftlicher Grundlage anzweifeln. Doch hier sprechen wir nicht von physischen Wissenschaften, sondern von psychologischen Beziehungen. Versucht daher nicht, wissenschaftliche Bezüge zu finden, versucht psychologische Zusammenhänge zu finden. So steht also Geruch in Bezug mit Erde, Geschmack mit Wasser, Sehvermögen mit Feuer, Berührung mit Luft, und Klang steht in Bezug mit Raum.

Es bezieht sich auf unser Potential, die fünf Sinnesobjekte - Geruch, Geschmack, das Sichtbare, das Berührbare und Hörbare - zu erfahren. Sie sind zugleich die feineren Kräfte der Sinne selbst.

Es gibt drei Fünfergruppen:

  • die subtilen Aspekte der fünf physischen Elemente wie angeführt,
  • die fünf Sinnesobjekte wie Geruch etc., und
  • das Potential der fünf Sinne.

Das ergibt fünfzehn Faktoren - dazu kommt der aktive Geist (manas) und die Unterscheidungsfähigkeit oder Intelligenz (buddhi). Damit haben wir also siebzehn Komponenten des subtilen Körpers.

Subtilkörper und karma

Dieses Prinzip des Subtilkörpers steht in sehr engem Bezug zur karma-Lehre, denn wir vollziehen unsere Handlungen nicht mit dem physischen Körper. Der Subtilkörper ist die Quelle all unserer Aktivität, denn alle Handlungen beginnen im Geist. Alles geschieht daher im Subtilkörper. Bevor der Geist einen Befehl an die Nase sendet, einen bestimmten Geruch zu identifizieren, verbindet er sich mit seinem Geruchspotential. Alles geschieht erst im Geist, im subtilen Körper. Es werden bestimmte Energieströme aktiviert, die dann nach außen projiziert werden. Wenn du also das karma-Prinzip verstehen willst, deine Handlungen und Reaktionen, musst du den Subtilkörper verstehen.

Wie funktioniert das karmische Gesetz? Wir wissen, dass alles, das wir je in unserem Leben getan haben, irgendwo in uns gegenwärtig ist. Alles das wir gesehen, gehört, getan haben. Irgendwo ist ein Eindruck jeder Erfahrung im Subtilkörper gespeichert. Handlungen sind jene Bewegungen, die von dir ausgehen und nach außen gerichtet sind. Erfahrungen sind jene Dinge, die du von außen aufnimmst. Handlungen entstehen durch die aktiven Sinne (Handlungsfähigkeiten), Erfahrungen durch die kognitiven Sinne.

Samskaras und karma

Samskaras sind jene Vorgänge, die im Subtilkörper als Ergebnis deiner Handlungen und Erfahrungen entstehen. Ist also der Subtilkörper synonym mit dem unterbewussten Geist? Nein. Der unterbewusste Geist ist ein Teil der Funktion des subtilen Körpers.

Was ist der Unterschied zwischen samskaras und karma? Karma bedeutet Handlung. Samskara ist der Eindruck, der im Inneren zurückbleibt. Samskaras sind die Eindrücke deiner Handlungen und Erfahrungen, die im Subtilkörper verbleiben.

Was du getan hast, hast du getan, das lässt sich nicht mehr ändern. Doch eines kannst du tun: du kannst eine Veränderung in der Gesamtsumme deiner karmas in diesem Leben bewirken - genau ab jetzt. Wenn du einen Behälter halb mit verschmutztem Wasser gefüllt hast, und dann fügst du reines Wasser hinzu, veränderst du natürlich die Gesamtzusammensetzung des Inhalts. Du kannst entscheiden, welche Art von samskaras du von diesem Moment an deiner Persönlichkeit hinzufügst.

All diese samskaras werden im Subtilkörper angesammelt - und alles Geschehen im physischen Körper entsteht im subtilen Körper. Der Subtilkörper dient als Vorlage für den grobstofflichen Körper. Was daher im Subtilkörper geschieht, kommt im physischen Körper zum Ausdruck. Wenn irgendwo das Energiefeld verzerrt wird, wirst du krank. Das ist die alleinige Diagnose für alle Erkrankungen. Mediziner mögen damit übereinstimmen oder nicht. Doch das erste Prinzip des yogischen Medizinsystems ist, dass Krankheit durch ein verzerrtes Energiefeld verursacht ist und vom Subtilkörper her entsteht.

Solange also dein Geist involviert ist, hinterlassen die Eindrücke samskaras im Subtilkörper. Karma hat negative Auswirkungen, karma hat positive Auswirkungen. Es gibt Menschen, um die herum nur gute Dinge entstehen, ohne dass sie dafür etwas tun - das ist die Auswirkung der Gesamtsumme ihrer Persönlichkeit.

Nochmals: du entscheidest, was du zur Gesamtsumme deines karma hinzufügst.

Fortsetzung: Kundalini (Teil II)

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