Das System der cakras

Teil 14 der Serie 'Die menschliche Persönlichkeit verstehen' -
von Swami Veda Bharati

 

Das System der sieben Zentren des Bewusstseins: sushumna kann man sich als einen Fluss vorstellen, der sieben Seen passiert. Daher wird manchmal sushumna als der Fluss mit sieben Seen bezeichnet.

Das Hauptprinzip eines cakras ist, dass es einen zentralen Punkt besitzt, einen Punkt des Bewusstseins, und daraus hervorgehende Strahlen oder Blütenblätter. Diese Strahlen oder Blütenblätter repräsentieren verschiedene Arten von Energien, die von dort ausströmen und einen bestimmten Bereich unseres Wesens aktiv und funktionsfähig machen. Diese cakras werden bestimmten Orten im Körper zugeordnet:

  • muladhara an der Basis der Wirbelsäule; muladhara bedeutet Wurzel, Unterstützung, Zentrum. Es besitzt vier Blätter oder Ausstrahlungen. Der zentrale Punkt hat eine spezifische mantrische Keimsilbe - im muladhara ist es 'lam'.
  • Das zweite Zentrum, svadishthana, das Genitalzentrum oder Zentrum der Reproduktion. Der Begriff bedeutet 'ihr eigener Wohnsitz', gemeint ist der Wohnsitz der shakti, der Energie. Es hat sechs Ausstrahlungen oder Blütenblätter, die Silbe des zentralen Bewusstseinskerns ist 'vam'.
  • Das dritte Zentrum befindet sich beim Nabel und wird als manipura bezeichnet. Das bedeutet 'mit Juwelen gefüllt'. Es hat zehn ausstrahlende Energieströme, die Keimsilbe des Bewusstseinszentrums ist 'ram'.
  • Das Zentrum des Herzplexus ist anahata, das bedeutet 'nicht angeschlagener Klang'. Es ist der Klang zwischen zwei Herzschlägen, nicht der Herzschlag selbst. Die Stille dazwischen ist der nicht angeschlagene Klang. Anahata hat zwölf Energieströme oder Strahlen, die Keimsilbe ist 'yam'.
  • Das vishuddha-Zentrum ist das Zentrum im Kehlbereich; vishuddha bedeutet 'sehr rein'. Es hat 16 Strahlen oder Energieströme, die Keimsilbe des zentralen Bewusstseinspunktes ist 'ham'.
  • Dann kommt das ajna-Zentrum; ajna bedeutet 'Befehl', es ist also das Befehlszentrum. Es befindet sich zwischen den Augenbrauen, mit zwei Strahlen oder Blütenblättern.
  • Dann kommt das höchste Zentrum am obersten Ende des Kopfes, genannt sahasrara, mit 1000 Blütenblättern oder Strahlen.

Diesen Zentren sind mantras zugeordnet; sie stehen auch in Bezug zur Kontrolle der Elemente. So ist beispielsweise im untersten Zentrum das Erdelement vorherrschend und hier findet man auch die Kontrolle des Erdelements. Von unten nach oben sind das: Erde, Wasser, Feuer, Luft, Raum, Geist und Shiva - das Göttliche, wie es von den Yogis erkannt wird.

Diese sieben Zentren haben auch ihre eigenen Farben. Diese Farben, von unten nach oben, sind: gelb, weiß, rot, grau, blau - und im 6. Zentrum kristallartig, reiner Kristall.

Wer in die Einzelheiten von all dem gehen möchte, sollte 'Die Schlangenkraft' lesen (Arthur Avalon / John Woodroffe).

Dieses System der cakras existiert nicht auf dem Papier. Es muss erfahren werden. Wenn die Erfahrung wächst, wirst du verstehen, was gemeint ist. Dann wirst du verstehen, wie enorm die Kraft eines Yogis in jedem dieser Zentren ist und worauf sie beruht.

Die göttliche Energie, die Energie des strahlenden Selbst ist an diese Zentren angeschlossen; nur winzige Teile dieser Energie hält alles am Funktionieren. Wenn ein Yogi die vollständige Kraft freisetzt, dann gibt es nichts, das ihn aufhalten könnte, denn dann ist er ein Meister.

Die cakras sind Eintrittspunkte in verschiedene Dimensionen des Bewusstseins. Cakras sind wie Kombinationsschlösser. Man muss die passenden Silben, die passende Praxis kennen.

Die enorme freigesetzte Energie eines sich öffnenden cakras kann nur von sehr wenigen Menschen kontrolliert werden. Es erfordert eine lange Phase der Vorbereitung. Eure Nervenstärke ist zu schwach. Eure Nervenkraft muss gestärkt werden. Das wird möglich durch die Praxis der Bewusstheit in der Wirbelsäule. Denn die Nervenbahnen verlaufen entlang der Linien, der Ströme der göttlichen Energie, dieser magnetischen Kraft. Durch die Praxis der Konzentration in der Wirbelsäule stärkst du also deine nervliche Kraft. Sie muss so gestärkt werden, dass man diesen Schock der göttliche Energie annehmen und absorbieren kann. Daher ist es besser, geduldig zu bleiben.

Manchmal wird die Frage gestellt, ob die cakras im Körper vorne oder hinten liegen. Ein cakra ist ein Energiefeld, und ein Energiefeld hat kein vorne oder hinten. Vorne und hinten sind dasselbe. Dieses Energiefeld ist ein einheitliches Feld, ein Kontinuum. Und darin gibt es kein vorne und hinten.

Es gibt viele irrige Vorstellungen über cakras und das Öffnen der cakras, die man auch in vielen Büchern wiederfindet. Manche glauben beispielsweise, wenn das Kehlzentrum geöffnet ist, wird diese Person wahrscheinlich viel reden. Oder in Büchern über Tantra kann man lesen, dass je mehr Sex man hat, desto mehr öffnet sich das zweite cakra. Diese Autoren wissen nicht, worüber sie schreiben. So funktioniert das nicht. Wenn wir vom Öffnen eines cakras sprechen, endet der nach auswärts strömende Energiefluss und es entsteht Stille.

Das wahre Öffnen eines cakras ist das Schließen dieses cakras. Der Energiefluss nach aussen endet und die Energie geht nach innen und wird in den inneren Dimensionen wirksam.

Fortsetzung: Subtilkörper und karma

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