Entwicklungsschritte auf dem Weg der Meditation

angelehnt an eine Ausarbeitung von Swami Jnaneshvara Bharati


Dieser Beitrag skizziert in sehr allgemeiner Form den Übungsweg der Meditation, vom ersten Einstieg bis zur höchsten direkten Erfahrung. Die Absicht dabei ist nicht, Übende auf dem Weg der Meditation zu kategorisieren, sondern die Gesamtheit des Übungsweges in allgemeiner Form zu verdeutlichen.

Versteht man diesen Prozess im Allgemeinen, wird auch der Stellenwert und Nutzen der einzelnen Übungsansätze leichter verständlich.


Beginner auf dem Meditationsweg

Als Beginner auf dem Meditationsweg macht man sich mit den grundlegenden Ansätzen und Methoden der Meditation vertraut. Man sammelt erste Erfahrungen und erforscht die Wirksamkeit der Praxis.

Die Grundlagen: ausgeglichene Lebensart und Meditation im Handeln

Den Übungsweg beginnt man damit, einen ausgeglicheneren Lebensstil, erste Schritte der Selbstwahrnehmung und die Grundlagen der Meditation zu entwickeln.

Im täglichen Leben übt man sich darin, Einstellungen wie freundliche Zuwendung und Akzeptanz, Nichtverletzen und Gelassenheit zu kultivieren.

Man entwickelt das Grundverständnis für die vier Grundantriebe und seine emotionalen Tendenzen und übt sich darin, mit diesen Antriebskräften wie auch mit seinem Körper achtsamer umzugehen (Antriebe und Emotionen).

Durch dieses achtsame Beobachten, Erleben und Handeln im täglichen Leben, auch bezeichnet als 'Meditation im Handeln' entwickelt man die Grundlagen eines stabileren Geistes und damit für die Meditation.

Die Methoden der Meditationspraxis entwickeln

Auf dieser Grundlage eines ausgeglichenen und achtsamen Lebens fällt es sehr viel leichter, die Methoden der Meditation zu entwickeln und ihre Wirkungen zu erforschen.

Zu diesen Grundlagen der Meditation gehören u.a. die Arbeit an der geeigneten Körperhaltung, die Fähigkeit systematischer Entspannung, achtsame Schulung des Atems und achtsamer Wahrnehmung sowie die Meditation selbst.

Die Praxis beginnt mit der Vorbereitung des Körpers mittels achtsam durchgeführter Dehnungen und Yogahaltungen (asanas). Um eine freie Zwerchfellatmung zu gewährleisten, benötigen viele Übende ein regelrechtes Umschulen eingefahrener Atemgewohnheiten, die richtige Atemweise muss neu erlernt werden. Die Meditationspraxis selbst beginnt mit Atemgewahrsein und der Anwendung des mantras so'ham.

Die individuell angemessenen Methoden werden erlernt, beständig geübt und immer weiter vertieft. Ein für das Üben geeigneter Platz sowie Regelmäßigkeit der Praxis schaffen die Basis für den Fortschritt in seinem Üben.

Aufbauende Schritte

Hat man den Prozess der Meditation und die grundlegenden Methoden gut erfasst und zu einem gewissen Grad erarbeitet, arbeitet man weiter an der Stabilisierung, Verfeinerung und Vertiefung der bereits erlernten Methoden. Weitere Aspekte des Übens werden einbezogen und integriert.

Entschlusskraft

Die allmähliche Entwicklung der Entschlusskraft (samkalpa-shakti) stellt einen wichtigen Schritt der Vertiefung der eigenen Meditationspraxis dar. In dieser Phase lernt man, die Methoden immer besser zu beherrschen und zu nutzen; man beginnt, Varianten und neue Aspekte bzw. Methoden in die Praxis einzubeziehen und zu integrieren. Hier entwickelt man das Gespür für das Wesen des ganzen Übungsweges und wie sich verschiedene Praxisaspekte zu einem integrierten Prozess zusammenfügen.

Die Methoden dienen dazu, bestimmte Fähigkeiten zu entwickeln, durch die Meditation an Tiefe gewinnt und sich die Essenz des Bewusstseins offenbart.

Üben, Üben, Üben

Hier ist man weniger damit beschäftigt, Methoden zu erlernen, als vielmehr sie tatsächlich zu üben und den Prozess der Meditation immer vollständiger zu erfassen.

Man hat gelernt, wie man den oberflächlich bewussten Geist (Wachbewusstsein) beruhigt und in einen Zustand der Sammlung bringt; man ist vertraut mit der Regulierung des Atems, mit dem Ausgleich der Energien und man findet immer leichter in immer tiefere Ruhe und inneren Frieden. Die Erfahrung dieser Ruhe und des Friedens ist jedoch nicht das Ziel des Übens, als vielmehr eine Voraussetzung für das, was die Yogis als wahre Meditation bezeichnen - das Vordringen in immer subtilere Ebenen direkter Erfahrung.

Man versteht jetzt, wie wichtig die Fähigkeit der Sammlung der Aufmerksamkeit ist und man kultiviert die Fähigkeit der Einpunktigkeit - unabgelenkte Konzentration (ekagrata).

Fortgeschrittene Praxis

Hier besitzt man ein solides Verständnis des Meditationsweges und eine gefestigte Praxis. Man beginnt damit, schrittweise in die subtileren inneren Welten einzudringen, sie zu erforschen, um sie schließlich hinter sich zu lassen.

Tiefe innere Reinigung

Man erforscht und untersucht jene inneren Bereiche, die gewöhnlich unerschlossen bleiben. Die Funktionen des Geistes (manas, ahamkara, buddhi, citta) und ihre Prozesse werden jetzt klar erkannt und man erforscht und begreift ihr Wirken auf immer subtileren Ebenen. Man lädt das tiefe Unbewusste ein, zum Vorschein zu kommen, um es zu erforschen. Tiefsitzende Gewohnheiten und karmische Tendenzen werden in der Meditation immer deutlicher erkennbar, akzeptiert und durch die Praxis zunehmend geschwächt. Man schreitet dadurch immer zügiger fort im Prozess der Reinigung des Geistes und damit auf seinem inneren Weg.

Kundalini beginnt ihren Aufstieg durch die cakras, und die Hindernisse auf ihrem Weg des Aufstiegs (granthis) werden durchbrochen und aufgelöst.

Die letzten Schritte

Man lässt schließlich diese Bereiche des Unbewussten, die Erinnerungen, Bilder und das begriffliche Denken hinter sich und erforscht direkt das geistige Instrument, die subtilen Energien und die Elemente (tattvas).

Schließlich lässt man auch all das allmählich hinter sich, übt sich in vollständiger Losgelöstheit (vairagya) um letztlich im höchsten samadhi vollständige Losgelöstheit zu erlangen (para-vairagya).

Man bewegt sich auf dem Weg subtilsten Lichts und Klanges aufwärts zur absoluten Wirklichkeit, dem reinen Bewusstsein, dem, was man im Grunde wirklich ist, immer war und immer sein wird.

Übersicht 'Grundlagen der Meditation'

Siehe auch: Stadien der Meditation (Swami Jnaneshvara)