Über die Initiation

Teil 4 der Serie 'Anwendung und Bedeutung von mantras' -
von Swami Veda Bharati


Wenn es heißt, dass ein mantra 'gegeben' wird, so wird es tatsächlich gegeben. Man erhält es von jemandem, der etwas mehr meditiert hat - von einem Lehrer, einem Ratgeber, jemandem mit Qualifikation, jemand der dazu vom Meister autorisiert wurde - und dieser von seinem Meister und so weiter.

Wenn eine zur Initiation autorisierte Person ein mantra gibt, so ist das erste, das er oder sie zu sich selbst sagt: 'Ich bin niemand.' Das gilt auch für das Unterrichten. Denn sobald man glaubt, ein Lehrer zu sein und zu unterrichten, wird die Inspiration versiegen. Um als spiritueller Lehrer auf inspirierte Weise unterrichten zu können, muss man seine falsche Ego-Identität und seine persönlichen Fähigkeiten aufgeben und verleugnen. Wenn ein Initiator mantras gibt, so sind diese mantras nichts von ihm oder ihr Erzeugtes. Nur das, was überliefert wurde, wird weitergegeben.

Es gibt verschiedene mantras für verschiedene Individuen. Das erhaltene mantra sollte immer als ein Geheimnis bewahrt werden.

Es gibt auch einige Regeln und Richtlinien für die mantra-Initiation. Von diesen Richtlinien sollte man sich nicht einschüchtern lassen. Sie gelten insofern, dass man diese Prinzipien akzeptiert. Doch es ist klar, dass man sie nicht über Nacht in aller Perfektion einhalten kann. Wenn also bezüglich dieser Richtlinien Fragen entstehen, sollte man fragen.
(Hierzu siehe: Initiation - Voraussetzungen und Hinweise)

Instruktion und Initiation

Man muss zwischen Instruktion und Initiation unterscheiden. Ein Teil der Meditationspraxis ist die Anleitung und Unterweisung; der andere Teil ist Initiation.

Ein mantra zu erhalten ist eine Initiation. Initiator und die Person, die das mantra erhält, treffen sich im Vertrauen und das mantra wird übermittelt.

Initiation ist die Übertragung eines bestimmten Bewusstseinszustands auf eine andere Person. Im Fall der mantra-Initiation - dem ersten Schritt der Initiation - wird das mantra durch den Initiator/die Initiatorin in einem meditativen Zustand auf solche Weise übertragen, dass es sich im Geist verankert. Dies ist ein Aspekt der Tradition, nicht der Unterweisung in einem Kurs.

Mein Meister sagt: 'Nicht ich initiiere - es ist mein Meister, der initiiert.' Und sein Meister hat ihm dasselbe gesagt: 'Nicht ich initiiere - es ist mein Meister, der initiiert.' Initiation geschieht im Namen einer langen Linie von Meistern und Lehrern.

Sobald dein Geist bereit ist, kannst du eine weiterführende Initiation erhalten, durch die sich eine Ausdehnung des Bewusstseins vollzieht.

Es ist keine Religion. Der Zweck, in der Meditation ein mantra zu erhalten, besteht nicht darin, sich einer Religion anzuschließen. Meditation ist die Essenz aller Religion - aus ihr entspringen alle Religionen - wie die Blütenblätter einer Blume. Der zentrale Punkt ist dein eigener innerer Kontakt mit dem Unendlichen. Daher ist es völlig unwichtig, ob du religiös bist oder nicht - ob du an Gott glaubst oder nicht.

Wie werden mantras ausgewählt?

Initiatoren haben ein spezifisches Training und Methoden erhalten, wie sie das individuell passende mantra herausfinden. Es ist kein rationaler Prozess, doch das bedeutet nicht, dass es ein irrationaler Prozess ist. Initiatoren sind in ihrer Meditation etwas fortgeschrittener, und sie sind geschult darin, für die Intuition empfänglich zu sein.

Der Meister würde niemanden ermächtigen, Initiation zu erteilen, wäre er sich nicht sicher, dass es die richtige Person dafür ist und sie wirklich dazu in der Lage ist. Die initiierende Person wird zum Instrument für den Weisheitsstrom der Tradition - daher macht es keinen Unterschied, wer die Initiation gibt.

Initiatoren sind darin trainiert, genau zu unterscheiden zwischen dem, was aus dem Unterbewussten stammt und dem, was aus der reinen Intuition her rührt. Dies macht den Unterschied.

Fortsetzung: Seine Meditation vertiefen

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