Schrittweiser Aufstieg

Teil 7 der Serie 'Anwendung und Bedeutung von mantras' -
von Swami Veda Bharati

Der erste Teil dieses Beitrags befasst sich mit dem Thema 'Geschicktes Handeln im Leben' -
zu finden unter 'Artikel / Swami Veda'.


Das mantra wird zum Instrument, durch das man das Zentrum des Geistes entdeckt. Findet man in dieses Zentrum, wird der Geist etwas mehr konzentriert. Konfuses Denken und emotionale Erregung, die sonst im Geist vorherrschen, entstehen nicht mehr in diesem Ausmaß. Jemand hat es so ausgedrückt: die Tiefpunkte sind nicht mehr so tief, die Höhepunkte nicht mehr so hoch. Es stellt sich eine gewisse Gelassenheit ein.

Aus der inneren Kraft leben

Darüber hinausgehend findet man zu einem zentralen Punkt im Geist, in dem man tatsächlich mit einer kosmischen Energiequelle verbunden ist und aus der man beginnt, Energie zu schöpfen. Ist man damit verbunden, werden die Worte, die man spricht, ruhiger sein und doch größere Kraft besitzen. Die eigenen Handlungen führen mühelos zu den gewünschten Resultaten. Der Aufwand wird geringer und man hat größeren Erfolg.

Doch man lässt das alles sich langsam entwickeln, man beobachtet es, integriert es, bezieht sich hin und wieder darauf. Man praktiziert seine Meditation zu festgelegten Zeiten, reguliert sein Leben und geht behutsam auf seinem Weg vorwärts. Auf diese Weise vertieft sich die innere Reinigung zunehmend.

Wirkliche Meditation

Das mantra wird allmählich zu einer Art Kristall, einer Kristallperle - ein kleiner, leuchtender Fokus im Geist, durch das der Geist zunehmend gereinigt wird. Der aufsteigende Ramsch vergangener Erinnerungen wird weniger, und der Geist wird ruhiger.

Wenn man gegenwärtig fähig ist, die Meditation für eine halbe Minute ohne Unterbrechungen aufrechtzuerhalten, wird es durch die Praxis im Lauf der Zeit möglich, diesen Zustand für zwei Minuten beizubehalten. Zwei Minuten Meditation ohne Unterbrechung ist bereits eine große Errungenschaft. Wer zwei Minuten in solcher Weise meditieren kann, frei von Ablenkungen, wird daraus denselben Nutzen ziehen wie aus 20 Minuten des Übens, in denen durch Ablenkungen immer wieder Unterbrechungen entstehen.

Das mantra wird zu einem inneren Instrument, auf das man sich immer wieder ausrichten kann. In unserer Tradition wird es als bedeutsamer Erfolg betrachtet, wenn in der Meditation für zwölf aufeinanderfolgende Atemzüge keine anderen Gedanken auftauchen; man wird tiefen Frieden finden. Zwölf Atemzüge ohne Unterbrechung - hier beginnt wahre Meditation.

Entscheidungskraft

Wenn das emotionale Durcheinander, die Phantome der Vergangenheit und die Phantasien über die Zukunft, allmählich schwinden, wird man feststellen, dass man zu klareren Entscheidungen fähig ist. Die Ursache dafür, dass viele Menschen Probleme damit haben, wirklich klare Entscheidungen zu treffen, liegt in dieser geistigen Vernebelung durch Emotionen. Sie verhindern die klare Sicht auf das eigene Leben, auf seine Aufgaben, Bestrebungen und Vorhaben, auf das, was man will und was man nicht will.

Reinigt man den Geist von diesen Spinnweben und von Negativität, kann man täglich hunderte wichtige Entscheidungen treffen, ohne dass es zu einer Belastung wird. Wenn nötig, ruht man sich kurz aus und beginnt frisch von Neuem. Wer wirklich meditiert, wird überrascht sein von den Ergebnissen. Man macht weniger Fehler, denn die Fähigkeit, die wir als buddhi bezeichnen, die Fähigkeit klarer Sicht und Erkenntnis, wird fokussiert. Doch das entsteht nicht über Nacht.

Gradueller Aufstieg

Diese Dinge entwickeln sich allmählich. Gewöhnlich ist es so, dass man ein Stück aufsteigt und wieder zurückfällt. Einige Tage hat man eine sehr tiefe Meditation, einige Tage hat man keine so tiefe Meditation. Das hängt von vielen Faktoren ab - vom Schlaf der letzten Nacht, der Art von Erfahrungen tagsüber, dem was heute noch vor einem liegt, wie stark man von anderen Personen emotional beeinträchtigt wurde, dem was im eigenen Unterbewussten gerade aktiv ist usw. Daher erlebt man diese kleinen Erfolge gefolgt von Rückfällen, wieder und wieder.

Doch irgendwann erreicht man eine höhere Ebene, von der man nicht wieder zurückfällt. So wie man noch Monate zuvor die damaligen Bedingungen seines Geistes als gegeben angesehen hat und sich derartige Erfahrungen und Fortschritte in der Meditation nicht vorstellen konnte, so nimmt man das jetzt auf dieser höheren Ebene wieder an, und sieht nicht die noch höhere Ebene, die noch vor einem liegt.

Erreicht man ein neues Plateau, eine neue Ebene der Meditation, schaut man nicht zurück. Man schaut auch nicht nach vorne, sondern man bleibt und erfährt diese neue Ebene. Doch nach einiger Zeit beginnt man wieder ein Stück weiter aufzusteigen und zurückzufallen, doch man fällt nicht mehr unter die bereits erreichte Ebene zurück. Diese neue Ebene wird jetzt als gegeben angesehen, als der natürliche Zustand. Und man steigt immer wieder ein Stück auf und fällt wieder zurück. Abhängig von der Intensität der Praxis, der inneren Widmung an diesen Weg, der eigenen Disziplin, von der Art der Lebensgestaltung usw., erreicht man dann eine noch höhere Ebene.

Auf diese Weise bewegt man sich von einer Erleuchtung zu einer weiteren und noch einer weiteren Erleuchtung. Die Persönlichkeit wird schrittweise gereinigt. Dann beginnt man allmählich wirklich zu verstehen, worüber all die Mystiker und Weisen ständig reden.

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