Seine Meditation vertiefen

Teil 5 der Serie 'Anwendung und Bedeutung von mantras' -
von Swami Veda Bharati


Das mantra, das man erhält, sollte man vollständig für sich behalten - darauf sollte man achten. Du teilst es niemand anderem mit. Wenn du dich auch sonst über alles im Leben artikulierst, hierüber solltest du Schweigen bewahren. Man sollte sein mantra niemandem mitteilen, damit es als ein Fokus deiner psychischen Energien wirksam werden kann. Meditation ist ein Prozess innerer Absorption, nicht äußerer Kommunikation. Das mantra soll dir als Instrument der inneren Absorption dienen.

Wie kann ich meine Meditation vertiefen?

Wie kann ich meine Meditation vertiefen? Diese Frage wird immer wieder gestellt. Die Ansätze dafür sind:

  • Methode -
  • Initiation -
  • sahaja - und
  • die Veränderung der Lebensweise.
Zur Methode

Die meisten Übenden, die sich angenommen für 20 Minuten zur Meditation setzen, meditieren keine 20 Minuten, sondern tatsächlich vielleicht 2 Minuten. Den Rest der Zeit jagen sie Schmetterlinge, sind im Flugzeug unterwegs, fahren Ski, argumentieren mit dem Lehrer. Was man also betreffend Methode tun kann:

  • wenn du für 20 Minuten sitzt, verlängere die Zeitspanne wirklicher Meditation. Mach aus den zwei Minuten drei, vier, fünf Minuten.
  • verlängere auch die Zeit deines Sitzens insgesamt - von 20 auf 25 Minuten und so weiter.
  • erhöhe die Häufigkeit deiner Meditation. Wenn du bisher einmal täglich meditiert hast, setz dich zweimal oder öfter zum Meditieren hin.
  • finde die richtige Zeit für deine Meditationspraxis; meditiere möglichst immer zur gleichen Zeit.
  • vertraue auf deine Praxis.

Je öfter du übst, je länger du praktizierst, desto tiefer wird deine Meditation gehen. Irgendwann wird die erreichte Tiefe zu deiner normalen Grundlage. Für manche entstehenden Probleme wirst du möglicherweise die Unterstützung und den Rat des Lehrers brauchen.

Ein weiterer Punkt ist: der Lehrer wird dir keine fortgeschrittene Methode geben, bis du die bisherige Methode gemeistert hast. Der Nachweis der Meisterung besteht darin, dass man in den durch die Methode erreichbaren Zustand spontan und ohne Bemühung eintreten kann.

Ein weiterer Nachweis der Meisterung einer Technik liegt darin, dass in deinem emotionalen Leben und im Verhalten sich bestimmte Dinge verändern. Das Erreichen einer gewissen Tiefe in der Meditation bewirkt Veränderungen bezüglich Gelassenheit, Gleichmut in emotionalen Dingen, Veränderungen in der Qualität deiner Beziehungen, in deiner ethischen Einstellung, in deinem Verzicht auf verletzende Handlungen.

Gleichmut bedeutet, dass du nicht mehr bei geringen Anlässen emotional aufgeregt wirst, sondern davon ungestört und gelassen bleibst. Für eine Ameise ist ein kleines Körnchen Zucker etwas sehr Wichtiges - für einen Elefanten bedeutet es nichts. Wenn du dich entwickelst, werden dich kleine Dinge weder aufregen noch deprimieren. Ein Lehrer achtet stets auf diese Dinge in dir. Dies sind einige der Anzeichen der Meisterung einer spezifischen Methode, die man erhalten hat.

Lass dich auch nicht von Erfahrungen in der Meditation ablenken. Viele erwarten sich Erfahrungen, doch wir versuchen, das zu meiden. Der Beweis deines Erfolgs in der Meditation ist weder Anregung noch irgendwelche Erfahrungen, sondern ruhige Gelassenheit und Stille. Erreicht man den Zustand wahrer Ruhe, dann berührst du den Saum des Unendlichen. Sobald also in deinem Üben Erfahrungen der ein oder anderen Art auftauchen, registriere es, doch lass dich davon nicht aufhalten. Sonst wirst du dort feststecken. Fahr also fort mit deiner Praxis.

Initiation

Initiationen gibt es auf vielen Ebenen. Doch man beginnt mit der Initiation in ein mantra. Mantra-Initiation macht dich auf gewisse Weise hilflos, und zwar dahingehend, dass selbst dann, wenn du nicht meditierst, dieses mantra irgendwann in deinem Leben wieder aufsteigen und dich verfolgen wird. Es wird ganz von selbst in deinem Geist auftauchen.

Mantra ist die erste Initiation, es wird zu einem Fokus in deinem Leben, selbst dann, wenn du für Jahre davor davonläufst. Doch der Same ist gepflanzt.

Es gibt auch noch eine milde Form der Initiation, sie geht einher mit dem gemeinsamen Meditieren mit dem Lehrer.

Sahaja

Sahaja bedeutet 'natürlich, angeboren, intuitiv'. Eine Methode wirkt dahingehend, dass die Widerstände deiner dichteren Ebene reduziert werden. Wenn der Körper in der Meditation Widerstand leistet, so vermittelt dir die Methode, auf welche Weise du entspannen kannst, um den Widerstand des Körpers zu reduzieren. Anspannung der Muskulatur steht immer in Zusammenhang mit wahllosen Gedanken; beliebige Gedanken stehen immer in Zusammenhang mit muskulärer Anspannung. Durch die Methode reduziert man also die Widerstände des äußeren Teils seines Wesens.

Doch ab einem gewissen Punkt macht sich der Ruf der subtileren Prinzipien im eigenen Inneren bemerkbar, und man lässt sahaja die Führung übernehmen. An irgendeinem Punkt wird der Lehrer sagen: versuche nichts, tue nichts. Löse einfach die Widerstände und lass los, damit die feineren Prinzipien der inneren Natur zum Vorschein kommen können und die Führung übernehmen und den dichteren Teil deines Wesens kontrollieren.

Veränderung der Lebensweise

Verändere deine Lebensweise, damit du nicht mehr so viel unnötigen Unrat ansammelst, wie es bisher der Fall war. Meditation unterstützt das Leben - und das Leben unterstützt die Meditation. Fang an, in deinem Leben etwas mehr loszulassen, kämpfe nicht so viel. Lass die Dinge fließen, beobachte, sei einfühlsam jedoch nicht empfindlich. Urteile nicht, sondern werde empfindsam für die Entwicklungen im Leben.

Das wird sich allmählich, schrittweise entwickeln.

Fortsetzung: Mantra und Geist

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