Zur Wirkungsweise der mantras

Teil 3 der Serie 'Anwendung und Bedeutung von mantras' -
von Swami Veda Bharati


Das mantra wird zum Fokus deiner Meditation. Wenn du deine Aufmerksamkeit allein auf den Atem lenkst, ist nicht klar, was du mit dem Geist anfangen sollst. Alle möglichen Gedanken tauchen weiter auf und lassen dich das Atem-Gewahrsein vergessen. Mit einem mantra hat auch dein Geist einen einzelnen Fokus. Du richtest deinen Geist auf diese bestimmte Kombination von Silben aus. Anfangs, wenn du das mantra erhalten hast, praktizierst du es in Verbindung mit dem Atemgewahrsein. Im weiteren Verlauf der Entwicklung deiner Meditationspraxis wirst du weiterführende Methoden der mantra-Praxis erhalten. Es ist ein lebenslanger Entwicklungsprozess.

Allerdings wird das mantra nicht nur zu einem Fokus für die Meditation. Es sollte auch im täglichen Leben in deinem Geist präsent sein. Im Verlauf deiner mantra-Praxis wirst du zunehmend erleben, dass das mantra einfach im Geist aufsteigt und all die anderen Gedanken zur Seite schiebt. Einigen Übenden passiert dies öfters als anderen. Das hängt von deiner Praxis ab - und wie offen und bereit du bist, auf dein inneres Wesen zu horchen. Das mantra kann dein Begleiter sein, es wird zu deinem Freund. Wenn du die Straße entlang gehst, bleibt es in deinem Gewahrsein. Du gibst ihm Raum und es begleitet dich.

Wenn du deine Lebensbedingungen ändern möchtest,
so ändere deine Persönlichkeit.
Wenn du deine Persönlichkeit ändern möchtest,
so ändere deine Gedanken.

Ich möchte nochmals in Erinnerung rufen, was ich über die Persönlichkeit gesagt habe. Das mantra ist jener Faktor, der deiner Persönlichkeit neu hinzugefügt wird. Der Begriff karma ist bereits bekannt: die Summe all deiner Handlungen und Erfahrungen im Leben machen deine Persönlichkeit aus - und sie gestalten in weiterer Folge deine Lebensbedingungen, und dein persönliches Umfeld. Das ist dein karma. Die Art Persönlichkeit die du bist, die Art 'Magnet' die du bist - diese Art von Erfahrungen ziehst du an. Deine Gedanken gestalten deine Persönlichkeit - und deine Persönlichkeit bestimmt deine Lebensumstände.

Wenn du deine Lebensbedingungen ändern möchtest, so ändere deine Persönlichkeit. Wenn du deine Persönlichkeit ändern möchtest, so ändere deine Gedanken. Das ist der einzige Weg, um ein Leben in Harmonie und frei von Konflikten zu leben. Ändere die Art deiner Handlungen und Erfahrungen, um heilsames karma zu schaffen.

Das mantra bringt in deine Persönlichkeit also einen neuen Aspekt herein, der bisher noch nicht vorhanden war. Die gegenwärtige Situation deines Lebens ist das Ergebnis von Erfahrungen und Handlungen, die du wahllos, zufällig und ohne jegliche Kontrolle zugelassen hast. Und es scheint, dass die menschlichen Wesen so weitermachen.

Gerade jetzt, während du meinen Worten zuhörst, fügst du gleichzeitig weitere wahllose Faktoren deiner Persönlichkeit hinzu. Du denkst an viele andere Dinge, für es jetzt eigentlich keinerlei Anlass gibt. Du hast bisher noch nicht gelernt, all diese sinnlosen Gedankenwellen aufzugeben. Wenn du diesen Raum verlässt, wirst du dich sofort wieder in dieselbe Art willkürlicher Gedanken verlieren. Du hast noch keine Kontrolle entwickelt darüber, welche Art Persönlichkeit du sein willst. Das mantra bildet einen zusätzlichen Faktor in den Handlungen und Erfahrungen deines Lebens. Es wiederholt sich und wiederholt sich und fügt deiner Persönlichkeit kontinuierlich diese eine neue Schwingung hinzu - diesen einen Gedanken, diesen Aspekt des Bewusstseins.

'Nicht meines'

Ein Beispiel: ein Wort, das viele mantras gemeinsam haben, ist namas (namah). Wörtlich übersetzt bedeutet es 'Verehrung'. Doch es kann ebenso als 'nicht meines' übersetzt werden. 'Alles was ich habe, ist nicht meines.' Was sind deine normalen Gedanken - Tag für Tag, von Morgen bis Abend? 'Ich', 'mich' und 'mein'. Was wird mir heute passieren? Kommt mein Freund heute oder nicht? Wir sich meine Mutter bei mir melden oder nicht? Ein ständiges 'Ich', 'mich' und 'mein'.

Das führt zu einer kontinuierlichen Ausdehnung des Egos mit all den damit verbundenen Risiken. Erwartungen, Enttäuschungen, Erfüllung, Misserfolg - das alles ist Ego-Natur. Du machst immer weiter mit 'ich' und 'mein' und all den Unsicherheiten, Höhen und Tiefen. Wenn du aber dein mantra in deinem Gewahrsein hältst, kannst du die Bedeutung von 'nicht meines' erfahren. Lerne ein wenig zu verzichten und etwas von dir aufzugeben, und dich davon zu lösen. Löse dich täglich für einige Zeit von diesem 'ich' und 'mein'. 20 bis 25 Minuten Meditation am morgen und 20 bis 25 Minuten Meditation am Abend. Das mantra befriedet dieses ständige 'ich' und 'mein'. Das mantra fügt dem Geist etwas Reinigendes hinzu. Dieses namas kommt nicht in jedem mantra vor, doch es ist in jedem mantra unausgesprochen mit enthalten.

Es gibt viele verschiedene Ebenen der Meditationspraxis: als Mittel der Entspannung, der Lösung der Anstrengung, oder auch um deiner persönlichen Suche nach dem Göttlichen mehr Tiefe zu geben. Oder vielleicht willst du deinen Geist im Rahmen eines völlig atheistischen Rahmens besser verstehen lernen. Das macht keinen Unterschied, denn was zählt, ist nicht der Glaube. Die Praxis zählt - und dein Weg nach innen. Wie immer du die Erfahrung des reinen Bewusstseins bezeichnest, ist für das Ergebnis ohne Bedeutung.

Fortsetzung: Über Initiation

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