Einführung in Meditation

Teil 1 der Serie 'Meditation: Weg zum Höchsten Bewusstsein' -
von Swami Veda Bharati


Vielen Menschen fällt es schwer, sich Wissenschaft als ein lebenslanges Studium vorzustellen. Was hier beschrieben wird, bildet nur einen winzigen Teil der Wissenschaft des Yoga und der Meditation. Man kann es als den ersten Schritt, das ABC des vielfältigen Reichtums der Wissenschaft der Selbsterkenntnis verstehen.

Wir Menschen sind die schöpferischen Wesen dieses Planeten. Wir sind mit Bewusstsein ausgestattet. Dinge wie Stahl und Aluminium haben dieses Potential nicht, sie verändern sich nur aufgrund der Einwirkung von außen - aufgrund unserer Berührung. Hier geht es jedoch nicht um die Veränderung äußerer Bedingungen, sondern darum, welche Entwicklung du vollziehst.

Bist du in der Lage, in Momenten des Ärgers oder wenn dich jemand beleidigt und beschimpft, geistig umzuschalten und zu entspannen und Ruhe und Freundlichkeit zu bewahren? In Momenten tiefer Depression, bist du fähig, dich selbst aus dieser Depression zu ziehen und Freude auszustrahlen. Kannst du in einer angespannten Umgebung Ruhe bewahren? Ist es dir möglich, in solchen Situationen deinen Atem tief und ruhig fließen zu lassen?

Welchen Fortschritt hat die Menschheit seit der Zeit der Pyramiden gemacht? Sind wir heute liebevoller, freundlicher und mitfühlender als damals? Hat sich die Beziehung zwischen Eltern und Kindern, Frau und Mann verbessert? Von wahrer menschlicher Entwicklung können wir erst sprechen, wenn wir in diesem Dingen Fortschritte machen.

Wie funktioniert der menschliche Geist?

Meditation ist die Wissenschaft der Selbsterkenntnis. Man befasst sich mit der Frage: Wer oder was bin ich?

Wie funktioniert der menschliche Geist? Wir formen bestimmte Tendenzen, sie werden zu Gewohnheiten, automatischen Verhaltensweisen und Reaktionen. Wir glauben, 'So funktioniert der Mensch eben, das ist normal'. Doch wir werden zu Sklaven unserer Gewohnheiten. Und wir wissen nicht, wie wir aus diesen Gewohnheiten aussteigen können, wie es möglich sein kann, mit mehr Gelassenheit und Weisheit zu handeln, und am Ende des Tages nicht verspannt zu sein.

Stattdessen sind wir damit beschäftigt, Probleme zu lösen - die Probleme, die wir selbst durch unsere Gewohnheiten geschaffen haben. Wir sehen es als normal an, anderen die Schuld zuzuweisen. Wir sagen, 'Es ist wegen meinen Vater, er ist der Grund für meine Probleme', oder 'Wenn ich mich nicht auf diese Frau / diesen Mann eingelassen hätte, wäre mein Leben viel einfacher verlaufen'. Es sind immer die anderen, die unsere Probleme verursachen, und wir stecken in ihnen fest und müssen sie lösen.

Meditation ist ein Zustand, eine Erfahrung, eine Praxis, durch die es möglich wird, aus diesen Prägungen herauszufinden und einen veränderten Standpunkt einzunehmen. Man betrachtet sich selbst. So'ham bedeutet, 'Ich bin das'. Wir sind aufgefordert, uns selbst zu betrachten und die Probleme in uns selbst zu lösen.

Meditation in sein Leben integrieren

Entspannung, Atempraxis und Meditation sollte man nicht isoliert vom alltäglichen Leben betrachten. Sich hinsetzen und die Welt vergessen - das funktioniert nicht. Es gibt keine Art sofortige Erleuchtung.

Meine Empfehlung ist, befasse dich mit den Lehren, nutze die Methode, verinnerliche sie und stelle fest, wie weit du damit kommst. Doch begreife deine Meditation nicht als etwas von deinem täglichen Leben Isoliertes. Sie sollte sich auf dein alltägliches Leben auswirken. Die Stille, die du in der Meditation erfährst, sollte in deinen Beziehungen weiter wirksam bleiben. Die Veränderungen, die das Üben von Entspannung und Meditation in dir bewirken, zeigen sich in deinem Leben, in deiner Beziehung.

Ablenkungen in der Meditation

Du wirst auch erleben, wie dein tägliches Handeln in deiner Meditation auftaucht: 'Wenn ich mich zum Meditieren hinsetze, taucht all dieses Durcheinander in meinem Geist auf.' Du sitzt also, meditierst, achtest auf das Ausatmen und Einatmen, denkst 'so'ham'. Du hörst das Geräusch eines Rasenmähers: 'Ach, mein Nachbar. Er ist immer so rücksichtslos. Warum muss er so früh am Morgen seinen Rasen mähen?' ... 'Nein, ich bin beim Meditieren, ich sollte mich entspannen - so'ham, einatmen, ausatmen'. Ein Auto fährt vorbei, 'Soviel Umweltverschmutzung!' ... 'Ich sollte bei Atem bleiben, ruhig und tief atmen'. So geht es dahin, du gehst nach innen und kommst wieder nach außen. Und dann denkst du, 'Ach, ich werde dieses Meditieren wieder sein lassen, ich kann nicht ruhig und gelassen sitzen, weil ständig diese Gedanken auftauchen. Irgendetwas stimmt mit dieser Methode nicht.'

Dieses Problem der in der Meditation auftauchenden Gedanken sollten wir versuchen zu verstehen. Es sind die Gewohnheiten, die wir durch unseren Geist geschaffen haben. Wenn es diese Art Gedankengänge sind, die du ständig denkst, welche andere Möglichkeit sollte denn dann dein Geist haben? Von klein auf hast du deinem Geist gestattet, 'Denk was du willst, kultiviere Emotionen, egal ob positiv oder negativ.'

Ein Hund namens 'Geist'

Stell dir vor, du hast einen Hund und du hast ihn nie wirklich erzogen. Wenn er acht Jahre alt ist, kannst du ihn dann noch erziehen? Stell dir vor, du hast einen eigenen Hund - gib ihm den Namen: Geist. Und du beschließt, diesen Hund gut zu erziehen, damit er, wenn du sagst 'Geist, sitz', sich der Geist wirklich setzt (sammelt). Und wenn du sagst, 'Geist, bleib ruhig', so bleibt er ruhig. Dein Geist ist dieser Hund, den du erziehen solltest.

Meditation ist das Training des Hundes namens 'Geist', du gibst ihm eine neue Richtung. Lerne also dort, wo du normalerweise angespannt bist, zu entspannen; dort wo du negativ eingestellt bist, dich positiv zu verhalten. Auf diese Weise wird sich dein Geist allmählich verändern. Doch das braucht Zeit.

Regelmäßigkeit

Sollte man täglich meditieren? Ja natürlich. Es ist wie mit dem Zähneputzen, Duschen, Gesicht waschen oder Wäsche waschen - es sammeln sich Verschmutzungen an. 'Reinige' also deinen Geist in der Meditation. Dann wirst du dich reiner, ruhiger, gelassener fühlen.

Es benötigt Zeit, um die Denkgewohnheiten und Handlungstendenzen zu verändern, durch die wir unsere Umgebung und unsere Beziehungen gestalten. Jemand macht uns Vorwürfe; wie wir damit umgehen, ist unsere Entscheidung. Wir trainieren den Geist, bestimmte Gewohnheiten zu verändern; wir üben, um zu erkennen was in uns selber da ist und wie man es auf heilsame Weise anwenden kann; wir üben, um herauszufinden, wie man den Geist dazu bringt, sich zu sammeln oder ruhig zu sein, sobald man es so will.

Hier ein Beispiel, welche Art von Entscheidungen wir treffen können: die meisten Menschen glauben, dass sie ihrer Umgebung hilflos ausgeliefert sind. Und sie glauben, dass die Art, wie sie auf irgendeine Situation emotional reagieren, die normale, natürliche Art jedes menschlichen Wesens ist. 'Tja, ich bin eben nur ein Mensch!', heißt es dann.

Freiheit der Entscheidung

Ein menschliches Wesen ist jedoch ein freies Wesen. Wir sind nicht ganz so hilflos; wir besitzen die Freiheit, selbst über unsere Gefühle und Emotionen zu entscheiden. Wir können selbst entscheiden, in welcher Stimmung wir befinden wollen. Wir sind fähig, das zu tun.

Stell dir vor, du befindest dich irgendwo weit weg, völlig allein. Das ist eine objektive, neutrale Tatsache, weder gut noch schlecht, weder angenehm noch schmerzhaft. Es ist einfach nur eine Tatsache. Jetzt hast du die Wahl zwischen zwei Stimmungen: du kannst dich entscheiden unter der Einsamkeit zu leiden oder das All-ein-Sein zu genießen. Diese Wahl steht dir frei, du hast die Möglichkeit, bewusst zu entscheiden.

Ich stelle fest, dass viele Menschen die Tendenz haben, in jeder neuen Situation, selbst in Situationen, die sie sich gewünscht haben, sofort zu sagen, 'Ok, worunter kann ich hier leiden? Was passt mir hier nicht?' Und von dem Moment an beginnen sie, zu leiden. Doch du hast auch die Wahl, mit einer anderen Einstellung an die Situation heranzugehen, 'Woran kann ich mich hier erfreuen?' Warum solltest du leiden? Warum solltest du nicht lieber genießen? Erfreu dich also an den Dingen. Doch auch das braucht Übung.

Wann immer es dir möglich ist, lass dich behutsam auf diese Meditationsübungen ein. Und für diese Zeit des Übens sag zu dir selbst: 'All ihr Gedanken, Emotionen, Probleme, Störungen - ihr dürft jetzt Pause machen. Dies ist jetzt meine Zeit, die Zeit, mit mir und in mir Frieden zu finden.'

Ganz allmählich wird der Geist lernen, dir zu gehorchen. Denn es gibt etwas, das über dem bewussten Denken, über dem emotionalen, unterbewussten Geist steht - es ist die bewusste Willenskraft. Nur haben wir noch nicht gelernt, diese Fähigkeit in unserem Leben zu nutzen. Wir haben gelernt, viele Wünsche zu haben. Aber wir haben noch nicht gelernt, etwas wirklich bewusst zu wollen.

Jenseits des Ego

Es geht hier darum zu lernen, wie Atemtechniken, Meditation und Entspannung sowie die Probleme mit dem Üben in das tägliche Leben integriert werden können. Erlebe den Moment. Hab keine zu hohen Erwartungen. Erlebe einfach diesen einen Moment, wo immer du dich gerade befindest.

Ganz allmählich wirst du lernen, zur Ruhe zu kommen, und von diesem Platz aus kannst du diesen Frieden in dir mit der Welt teilen. Man lernt, sein Ego zu vergessen. Wenn du dich zum Meditieren hinsetzt, bist du nicht groß oder klein, nicht männlich oder weiblich, weder jung noch alt, schlank, dick, hässlich oder schön. Du bist einfach - ein Wesen, das Lebenskraft und Bewusstsein ist.

In tiefer Entspannung erreichst du einen Punkt, wo du dir deines Körpers, deiner Größe, deines Namens, der Erfolge und Misserfolge nicht mehr bewusst bist. Du kommst mit dem Teil von dir in Berührung, der mehr ist als nur der Köper. Du bist dir deines Körpers nicht bewusst, doch du bist nicht bewusstlos. Du bist völlig wach und klar. Dann taucht die Frage auf: wessen bin ich mir jetzt bewusst? Es ist der erste Schritt der Begegnung mit dem Selbst. Das Ego ist eine Konditionierung, etwas, das wir angenommen haben. Doch es gibt dieses Selbst, die Lebenskraft, die Bewusstseinskraft - es liegt jenseits des Ego.

Weitere Teile dieser Vortragsserie sind in Vorbereitung.

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