Über Karma

von Swami Rama

Auszug aus 'Choosing a Path' von Swami Rama,
Himalayan Institute of Yoga Science and Philosophy of the USA, 1998.


Viele Menschen sind verwirrt über die Definition von karma. Geschieht etwas Ungünstiges, heißt es, 'Das ist mein karma.' Tatsächlich kann man karma weder als gut oder schlecht einstufen. Der Begriff karma stammt von der Sanskrit-Wurzel kri, das bedeutet 'handeln'. Jede Bewegung die man durchführt ist ein Handeln oder karma. Alle Bewegungen, die gemacht hat, jetzt macht, machen wird - alle Handlungen der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft werden als karmas bezeichnet.

Man kann das Gesetz des karma nicht abstreiten: 'Wie du säst, so wirst du ernten.' Keine Religion der Welt stellt dies in Abrede; Atheisten genauso wenig. Das Gesetz von Aktion und Reaktion ist allgemein akzeptiert. Ursache und Wirkung, die Zwillingsgesetze des Lebens, können nicht voneinander getrennt werden, vergleichbar den zwei Seiten einer Münze. Diesem unausweichlichen Gesetz kann man nicht entgehen. Was immer geschieht, man muss es beachten. Niemand, kein lebendes Wesen, wurde je auf dieser Erde geboren, der nicht diesem Gesetz folgen musste. Karma ist das universelle Gesetz, das niemand vermeiden kann.

Man muss die Konsequenzen seiner vergangenen Handlungen ernten. Dem kann man nicht engehen. Doch Gegenwart und Zukunft sind in unseren Händen.

Diese karmas der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft können symbolisch mit einem Bogenschützen verglichen werden. Die Pfeile, die er bereits in Richtung des Ziels abgeschossen hat, sind die vergangenen karmas. Die Pfeile, die er gerade in seiner Hand hält, sind die gegenwärtigen karmas. Jene im Köcher auf seinem Rücken sind die zukünftigen karmas. Bevor man nicht vollständig erleuchtet ist, kann man nichts unternehmen bezüglich den vergangenen karmas. Erst durch göttliche Erkenntnis können die Erleuchteten jenes Feuer der Unterscheidung erzeugen, das alle Bindungen durch vergangene karmas verbrennen kann. Dies ist möglich, doch solange man diese Fähigkeit nicht besitzt, muss man die Konsequenzen seiner vergangenen karmas ernten. Dem können wir nicht entgehen. Doch die Gegenwart und Zukunft sind in unseren Händen.

Jene, die sich dieses karmischen Gesetzes bewusst werden, lassen diese Gelegenheit nicht verstreichen. Sie sind bemüht, sich selbst zu erziehen und richten ihr Handeln allein auf das Göttliche aus. Die Gegenwart formt die Zukunft. Sie führen ihr Leben von Augenblick zu Augenblick und gestalten daraus ein wunderbares Gedicht und ein freudiges Lied. Sie genießen das Leben und gestalten für sich selbst eine neue, großartige Zukunft, indem sie ihr gegenwärtiges Leben verstehen anstelle über ihre vergangenen Handlungen nachzudenken und zu brüten.  

Die Kraft der Vergangenheit beeinflusst zweifellos die Gegenwart. Warum sollte man die Gegenwart verschwenden mit dem Brüten über die Vergangenheit? Wenn man wirklich versteht, dass das in der Vergangenheit Geschehene bereits geschehen ist, und wenn man sich dafür entscheidet, sich selbst jetzt in der Gegenwart zu schulen, gestaltet man für sich eine strahlende Gegenwart und eine bessere Zukunft. Das Vergangene ist das Vergangene. Wir bezeichnen Zeit als den größten Filter im Leben. Den Blick auf die vergangenen Handlungen zu richten, während man doch in der Gegenwart lebt, ist ein falscher Gebrauch von Zeit und Energie. Das Vergangene kann nicht verändert werden, denn die Erinnerungen des Vergangenen sind im Unbewussten gespeichert. Wir sind hier und können unsere Zukunft gestalten. Jeder Mensch kann die Gegenwart und Zukunft richtig nutzen und gestalten, unabhängig davon, was in der Vergangenheit geschehen ist.


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