Selbstverurteilung

von Swami Rama


Auszug aus 'The Essence of Spiritual Life' von Swami Rama,
Himalayan Institute Hospital Trust / Swami Rama Foundation - ISBN 8190100491


Sich selbst zu verurteilen, indem man sich sagt: 'Ich bin schlecht, ich bin unfähig, etwas zustande zu bringen', ist völlig nutzlos. Derartige Selbstverurteilung ist reine Zeitverschwendung. Wer glaubt man denn zu sein, dass man sich selber verurteilt? Man gehört sich nicht selber; nicht einmal der Körper gehört uns. Der Körper besteht aus den 5 Elementen; er gehört euch nicht - weder die pranas, noch der Geist, noch die Seele gehören euch. Wer glaubt man zu sein, dass man sich anmaßt zu sagen, 'dies ist gut' und 'das ist schlecht'? Beide Behauptungen haben keinerlei Nutzen. Die eine füttert das Ego, die andere lähmt die Kreativität.

Man ist, was man denkt, und man wird zu dem, was man denkt.

Verurteilt euch nicht selbst, ihr habt kein Recht dazu. Durch göttliche Fügung seid ihr entstanden, und ihr solltet lernen, diese Gestaltung zu respektieren. Wenn man sich selbst bemängelt, wird man auch in der äußeren Welt auf Ablehnung stoßen. Verletzt euch nicht selber, seid kraftvoll.

Warum macht man diesen Minderwertigkeitskomplex zu seiner Gewohnheit? Damit betrachtest man sich selbst als nichts anderes als einen Fleischklumpen, einen Sack voller Knochen und eine Portion Blut, mit nichts als einem mechanischen Gehirn im Schädel. Doch ihr seid mehr als das. Jeder ist eine strahlende Seele, ein Funke des ewigen Feuers atmans. Man ist, was man denkt, und man wird zu dem, was man denkt. Gib diesen Minderwertigkeitskomplex auf.

Die buddhistischen Lehren besagen: wenn man jemand anderen hasst, hat das keine Auswirkung auf die gehasste Person; doch es hat eine Auswirkung auf seinen eigenen Geist und auf sein Herz.

Man kannt lernen, selbst einen gehassten Menschen zu lieben, indem man sich klar macht, dass er genauso ein menschliches Wesen ist, wie man selbst eines ist. 'Woher nehme ich das Recht, diese Person zu hassen?' Hört auf damit, andere zu verletzen und zu hassen, denn man schadet dadurch nur sich selbst. Wenn man sich selbst fortlaufend derart verletzt, kann das schließlich zu einer Handlung verleiten, die man sich selbst und die sein eigenes Gewissen nicht mehr verzeihen können. Hört auf damit, fortwährend das eigene Bewusstsein zu zerstören.

Man sollte sich selbst schätzen, bewundern und lieben lernen;

denn dann kann diese Liebe auf andere ausstrahlen.

Die Isha-upanishad besagt, man soll sein Bewusstsein nicht abtöten. Wenn du es zerstörst, wie willst du denn dann andere lieben können? Man sollte sich selbst schätzen, bewundern und lieben lernen; denn dann kann diese Liebe auf andere ausstrahlen.

Wird man durch jemand anderen verletzt, so kann das behandelt werden. Doch wenn man sich fortwährend selbst verletzt, wer soll denn das behandeln? In den Upanishaden heißt es, dass die größten Sünder jene sind, die ihr eigenes Bewusstsein abtöten.

Denkt daran, 50 Prozent sind mein Job und 50 Prozent sind der deine. Ich erledige meine Aufgabe und ihr die eure. Angenommen, du erfüllst deine Aufgabe nicht, so werde ich doch weiterhin meine Bemühungen fortsetzen, dich in deiner Entwicklung zu unterstützen.

Ein menschliches Wesen ist unvollkommen und begeht daher viele Fehler. Wenn ihr eure Meditation durchführt, so führt zuerst einen kurzen inneren Dialog mit euch selber: habe ich heute etwas getan, das nicht in Ordnung war? Was habe ich Verletzendes gesprochen? Sich auf diese Weise einen Überblick über seine eigenen Vorstellungen, Gedanken, Handlungen und gesprochenen Worte zu verschaffen, ist wahre 'Haushaltsführung'.

Ein menschliches Wesen ist wie eine mehrstöckige Villa, in der viele subtile Lebensenergien zu finden sind. Um diese prachtvolle Villa zu verwalten, muss man alle Ebenen des Gebäudes betreuen, nicht nur die primitiven Grundbedürfnisse wie Nahrung, Sex, Schlaf und Selbsterhalt.

Wenn man herausfindet, dass man einen Fehler begangen hat,

so wiederhole ihn nicht.

Unwissende verlieren sich in den grobstofflichen Dingen, die der Veränderung, dem Tod und dem Verfall unterworfen sind. Sie sind sich der subtileren Lebensenergien, der wahren inneren Funktionsweisen dieses Wohnsitzes des Lebens, nicht bewusst. Der Körper ist nur ein grobstoffliches Werkzeug, der Atem ist feiner, doch das Subtilste ist der Geist.

Handlungen sind Handlungen. Man sollte sich nicht mit seinen Handlungen identifizieren. Man sollte für sich ein persönliches Weltbild entwickeln und sich von Schuldgefühlen frei halten. Wenn man in seinem inneren Dialog herausfindet, dass man einen Fehler begangen hat, so wiederhole ihn nicht. Doch warum sollte man über seine Fehler brüten und dadurch immer tiefere Schuldgefühle in sich erzeugen?

Wenn man verletzende Handlungen, die man als Hindernisse auf seinem Weg erkennt, nicht erneut wiederholt, so ist man frei davon. Ein Schuldgefühl entsteht, weil entweder man für sich selbst Vorgaben geschaffen hat oder weil die Gesellschaft bestimmte Regeln und Gesetze hervorgebracht hat. Folgt man jedoch den Gesetzen des Lebens, so gibt es keinerlei Grund dafür, Schuldgefühle zu haben.

Man sollte das Leben würdigen;
niemand hat das Recht dazu, es zu verurteilen und zu verachten.

Man ist zwar sein eigener Richter, doch man sollte nicht zwanghaft mit Verboten beschäftigt sein. Leben existiert nicht zum Zweck von Verboten. Je ruhiger man sein Leben gestaltet, desto tiefer wird es gereinigt - und das gesamte Weltbild verändert sich. Es ist ein Prozess der Selbst-Transformation, der wahres inneres Wachstum, Entfaltung und Verwirklichung ermöglicht.

Jene, die ihren Geist und alle seine verschiedenen Aspekte vollständig verstehen, können alle Schönheit des Lebens genießen und verwirklichen. Man sollte das Leben würdigen; niemand hat das Recht dazu, es zu verurteilen und zu verachten.

Das Gute oder Schlechte entsteht nur im eigenen Denken. Überlasse deinen Geist einige Zeit dem göttlichen Bewusstsein, und du wirst Frieden finden.

Zurück zur Übersicht 'Artikel von Swami Rama'