Selbststudium - svadhyaya

von Swami Rama


Zwei Auszüge aus 'Lectures on Yoga' von Swami Rama,
Himalayan International Institute of Yoga Science and Philosophy, 1976.

SR-teach3rtDie niyamas sind die fünf Regeln, die für sich selbst gelten. Dies sind shauca - Reinheit; samtosha - Zufriedenheit; tapas - die Praktiken, die Vervollkommnung des Körpers, Geistes und der Sinne ermöglichen; svadhyaya - Studium, das zur Kenntnis seines Selbst führt; ishvara-pranidhana - die vertrauensvolle Hingabe an die Höchste Wirklichkeit.

Svadhyaya - das Studium, das zur Kenntnis seines Selbst führt: dieses Studium beginnt mit intellektuellem Erforschen, dem Verständnis der Texte und anderer spirituell wertvoller Bücher. Die anfangs rein rationale Akzeptanz spiritueller Wahrheiten führt durch weitere Reflektion und Meditation über sie zu intuitiven Einsichten und schließlich dem wahren Verstehen dieser Wahrheiten. Diese Einsichten werden durch das Studium der inneren Zustände des Bewusstseins gefördert. Erst dann kann das wahre Wissen des Selbst im Aspiranten aufzudämmern beginnen.

Auszug aus 'Choosing a Path' von Swami Rama,
Himalayan International Institute of Yoga Science and Philosophy U.S.A., 1998.

Svadhyaya ist das Studium, das zur Erkenntnis der Selbstverwirklichung führt. Dieses Studium wird auf zwei Ebenen betrieben, nicht allein durch das Studium der Aussagen großer Weiser oder der heiligen Texte. Diese Aussagen großer Weiser inspirieren die Studenten in ihrer Praxis. Doch das Studium der eigenen Gedanken, Emotionen und Handlungen ist das eigentliche Studium. Die Texte und andere spirituell wertvolle Bücher sind hilfreich, da darin die großen Weisen und Yogis, die den Pfad der Erleuchtung beschritten haben, ihre direkten Erfahrungen weitergeben. Dieses Wissen kann sehr hilfreich sein, besonders wenn man mit bestimmten Hindernissen auf dem Weg konfrontiert ist.

Doch das reine Studium der Texte ist nur Information, es stellt keine wirkliche Erkenntnis dar, sondern vermittelt nur Teilwissen. Wir besitzen intellektuelle Kenntnis über vielerlei Dinge, und trotzdem hat sich unsere Unwissenheit nicht aufgelöst. Durch Selbststudium, dem Erforschen des Inneren und des Äußeren, erfährt man direkt; dadurch lösen sich sich die Verdunkelungen durch avidya, der Unwissenheit, auf. Die großen Weisen und Yogis vermittelt ihre praktische Erfahrung; die rationale Akzeptanz dieser spirituellen Wahrheiten ermöglichen einem Schüler den Zugang zu den höheren Zuständen, zur Quelle der Intuition. Wenn sich diese feinste Quelle des Wissens öffnet, begreift man das Leben und den Zweck des Lebens. Doch nur wenn man seine eigenen inneren Zustände sorgfältig studiert, kann das wahre Wissen des Selbst beginnen, aufzuscheinen.

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