Furchtlosigkeit und Vertrauen

von Swami Rama


Furchtlosigkeit

Ängste, die man nicht gründlich erforscht, entwickeln starke Wurzeln, selbst wenn sie keine reale Ursache haben. Angst ist wie eine Einladung für Bedrohliches.

Selbsterhaltung ist jener Instinkt, der unablässig wachsam ist, um den Körper zu schützen. Dieser Instinkt ist bis zu einem gewissen Grad nützlich, doch sollte er sich im Leben niemals zu einer Wahnvorstellung auswachsen. Wird Angst zu einem Wahn, wird alles spirituelle Potential inaktiv. Werden Ängste nicht erforscht, kontrollieren sie das Leben eines Menschen. Daher sollte man sie entschlossen untersuchen.

Angst hat zwei Facetten: ich könnte verlieren, was ich besitze; ich könnte nicht erlangen, was ich gerne hätte. Diese zwei Einstellungen sollte man nicht kultivieren. Erinnert man sein mantra oder die Gegenwart des Göttlichen im eigenen Inneren,  so können diese Einstellungen keinen Raum finden.

Furchtlosigkeit ist sehr wichtig. Damit Furcht nicht weiter wirksam ist, sollte man beständig spirituelle Freude erfahren. Furchtlosigkeit entsteht aus dem Erleben, dass das Göttliche in mir selbst gegenwärtig ist und ich selbst im Göttlichen bin.

Vertrauen

Vertrauen, das auf direkter Erfahrung beruht, verleiht dem Geist jene Klarheit, die man für das Funktionieren in der Welt der Objekte benötigt und um in die vielen unerkannten Ebenen des Lebens Zugang zu finden. Ein solches Vertrauen kann nicht angezweifelt werden, während blinder Glaube immer zu hinterfragen ist. Es sind zwei völlig verschiedene Dinge, ob man an Gott glaubt, oder ob man die Präsenz des Göttlichen in jedem Moment erfährt. Man kann natürlich an die Existenz des Göttlichen glauben, bevor man die Wahrheit direkt erfährt, doch diese Art Glaube bleibt beschränkt.

SR teach4rtWahrer Glaube, auch bekannt als Vertrauen, entsteht aus direkter Erfahrung. Vertrauen, das aus direkter Erfahrung entsteht, wird zu einem Teil des Wesens spiritueller Aspiranten, und solches Vertrauen schützt den Suchenden wie eine Mutter, die ihr Kind beschützt.

Glaube, der auf solch solider Grundlage der Wahrheit gegründet ist, ist eine Quelle geistiger Stärke. Ein solcher Glaube, bezeichnet als shraddha (Vertrauen), kann durch Logik und Argumente nicht angefochten werden.

Ein solches Vertrauen entwickelt sich über einen längeren Zeitraum. Wiederholte Erfahrungen lassen das Vertrauen reifen. Direkte Erfahrung der Wirklichkeit beseitigt alle Zweifel und führt den Aspiranten zu eindeutigem Verstehen. Und dieses Verstehen wird zu einem integralen Teil seines Wesens. Diese Erkenntnis festigt sich und man wird keine Bestätigung durch andere benötigen. Man weiß was man weiß - Vertrauen ist von solcher Art.

Auf der Grundlage dieses Vertrauens beginnt man die Suche und erreicht das Ziel. Glaube an Gott kann zu vielerlei Enttäuschungen führen. Vertrauen in das Göttliche führt zum Göttlichen.

(Quelle: Newsletter swamiveda.org 2015)

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